Herausforderungen meistern (Das Thema des Steinbocks)

In jedem von uns steckt – mehr oder weniger – auch die Energie des Steinbocks. Sie zeigt uns unsere Grenzen und hilft, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren. Sie teilt die Welt in Gutes und Böses, stellt Maßstäbe auf und verurteilt, wenn diese nicht eingehalten werden. Durch sie fühlen wir uns für alles und jeden verantwortlich. Wir streben Führungspositionen an, oder wenigstens eine Position, von der aus wir andere belehren können. Sie treibt uns dazu, diszipliniert sein zu wollen, wobei oft ohne Rücksicht auf die eigene Natur einem Ideal nachgeeifert wird.

Die künstlichen Grenzen, die wir uns aufstellen, was wir uns erlauben und was nicht, dienen dazu, uns selbst zu loben und stolz auf uns zu sein, wenn wir sie einhalten und bei Nichteinhaltung Strafen auszuteilen. Vor allem wenn andere die Sünden begehen. Wir spielen somit Richter über andere und stellen uns auf ein Podest, um mit den anderen nicht auf der gleichen Stufe zu stehen. Aber was verbirgt sich hinter diesen Bestrebungen?

Wir alle haben den ureigenen Wunsch, Herausforderungen zu meistern. Wir kennen unzählige Formen der Herausforderung. Letztendlich gilt es, hinter jeder Herausforderung die ursprüngliche Herausforderung zu erkennen, die mit der Schöpfungsgeschichte zu tun hat. Die drei Akte der Schöpfung, in denen der Schöpfer zuerst alleine existiert (1.), dann sein Ebenbild erschafft, die Schöpfung (2.) und sich letztendlich in ihr erkennt (3.).

Nun, dieser letzte Akt ist die eigentliche Herausforderung: Uns in der Welt zu erkennen, die wir erschaffen haben. In der ganzen Welt, egal, wo wir hingehen, leiden Menschen unter verschiedenen Konflikten, Ängsten, Unsicherheiten. Es gibt sowohl physisch als auch psychisch nur wenig Sicherheit. Die Menschheit unterscheidet sich psychologisch in all ihren Befürchtungen, bei Einsamkeit, Verzweiflung, Depression auf der ganzer Welt kaum. Es ist das Leben in Europa genauso, wie in Asien, Afrika oder Amerika. Wir haben alle unsere Götter, Religionen, Rituale, wie der Rest der Welt auch, nur mit verschiedenen Namen. Aber das Grundmuster ist das selbe.

Wir sind gefordert, hinter all diesen Erscheinungen, Formen, Verschiedenheiten das gemeinsame Grundmuster zu erkennen. In der Welt, die wir sehen, unsere eigene zu erkennen. Nicht intellektuell, sondern in unserem Blut erkennen, dass wir die Welt sind. Darauf zu antworten ist unsere Verantwortung. Erkennen wir dies nicht, erschaffen wir Trennung zwischen Schöpfer und Schöpfung. Haben wir uns getrennt, entsteht Angst. Aus Angst erschaffen wir Gesetze und Maßstäbe, die uns und andere einschränken. Aus Angst stellen wir uns über andere.

Den Schöpfungsprozess im Alltag zu vollziehen heißt, zu erkennen, wie wir die Welt, die wir sehen, erschaffen haben. Daß das, was auf uns zukommt, wir selber gerufen haben und dass wir selber diese Welt sind! Dies erfordert Disziplin. Disziplin ist aber nicht das, was allgemein darunter verstanden wird, nämlich, dass wir uns vergewaltigen, etwas zu tun, was uns schwer fällt, weil es nicht unserer Natur entspricht.

Disziplin heißt, in jedem Augenblick gewahr zu sein, was in uns abläuft: Wie unsere Gedanken entstehen, wie dadurch Gefühle, Emotionen oder Verlangen ausgelöst werden. Wie und worauf unser Körper reagiert, was unserer Natur enspricht. Denn nur in dem Augenblick, wo es gerade geschieht, haben wir die Chance, Entscheidungen zu treffen, etwas zu verändern. Und damit auf die Herausforderung zu antworten.

© Katalin Fáy   

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